Atomkraft kommt wieder in Mode

Lange Zeit galt sie als Auslaufmodell, ihr Ende schien besiegelt. Doch in Zeiten stark schwankender Rohstoffpreise und einem Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine, der ganz Europa erschütterte, feiert die Atomkraft plötzlich ein fulminantes Comeback. Während sich in Deutschland die Stimmen mehren, die sich für eine längere Laufzeit der Atomkraftwerke aussprechen, sind andere Industrienationen schon einen Schritt weiter: Sie bauen bereits neue Kernkraftwerke.

In Finnland ist man gerade dabei ein neues Atomkraftwerk zu errichten, Grossbritannien will sogar acht neue bauen. Und China plant eine ganze Reihe neuer Kraftwerke. Chinesischen Zeitungsberichten zufolge sollen bis zum Jahr 2020 70 Gigawatt Strom mithilfe von Kernreaktoren erzeugt werden. Mit anderen Worten: Fünf Prozent des gesamten Energiebedarfs soll durch Atomkraft gedeckt werden – aktuell ist es gerade einmal ein Prozent.

Insofern wundert es nicht, dass Firmen auf lukrative Aufträge durch den Bau von Reaktoren hoffen. Ganz vorne mischt die amerikanische Shaw Group mit, die mit rund 20 Prozent an dem Atomkraftspezialisten Westinghouse beteiligt ist. Der Baukonzern und Ingenieurdienstleister rechnet in der Sparte rund um den Kernkraftwerksbau mit einem Gewinnsprung in den kommenden Jahren.

Knapp 80 Prozent hält der japanische Mischkonzern Toshiba an Westinghouse. Die Japaner haben sich mittlerweile zur Nummer 1 im Kernkraftwerksbau entwickelt. Und das Geschäft mit Atomkraft boomt. Allerdings hat der Kurs der Toshiba-Aktie zuletzt stark gelitten, wobei dies weniger an der Kernenergiesparte als vielmehr an dem Bereich Halbleiter lag.

2007 hat Toshiba Areva als Branchenprimus im Kernkraftbereich abgelöst. Die Franzosen sind aber noch immer dick im Geschäft. Im Gegensatz zu Toshiba und der Shaw Group bauen sie nicht nur Kernkraftwerke, sondern sind auch in der Uranproduktion und in der Wiederaufbereitung aktiv. Dass es hier jede Menge Geld zu verdienen gibt, bewies Areva erst Anfang Februar: Der Konzern schloss einen Auftrag über mehr als fünf Milliarden Euro zur Anreicherung von Uran mit dem französischen Stromanbieter EdF ab.

Zudem hat Areva einen Vorvertrag mit dem indischen Kraftwerksbetreiber Nuclcar Power Corp. of lndia zum Bau von zwei Reaktoren und einem Auftragswert von rund acht Milliarden Euro unterzeichnet. Indien plant in den kommenden Jahren den Bau von zehn Kraftwerken und Areva hat gute Chancen, den Auftrag für vier weitere Reaktoren zu bekommen. Analysten rechnen mit steigenden Gewinnen.

Von dem neuen Atomboom wird auch der Uranpreis profitieren: Nach einem kurzen Zwischenhoch im Dezember fiel er auf 47 Dollar. Von einer anstehenden Erholung werden Uranproduzenten profitieren. Erste Wahl ist die kanadische Cameco. Während kleinere Uranproduzenten von der Bildfläche verschwinden, dürfte der Weltmarktführer aufgrund seiner Lieferverträge seine Position noch stärken. Mit einem 2009er-KGV von 11 ist die Aktie zudem günstig bewertet.

Auf der einen Seite werden regenerative Energien immer wichtiger. Auf der anderen Seite wollen die meisten Industrienationen auf Atomstrom nicht verzichten. Die Shaw Group und Areva sollten von diesem Trend profitieren und sind auf dem aktuellen Niveau durchaus eine Anlageüberlegung wert. Wer auf steigende Uranpreise hofft kann zudem Cameco als spekulative Position ins Auge fassen.

Weblinks zum Thema
shawgrp.com
areva.com
cameco.com


Datum: Mittwoch, 18. Februar 2009 5:57
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: News

Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben