Bad Bank kommt - 1 Billion USD für Kreditmarkt
Während der letzten Wochen in aller Munde kommt sie nun tatsächlich: Die sprichwörtliche “Bad Bank” als wichtigster Teil der gestern beschlossenen gewaltigen Staatshilfe für das amerikanische Bankensystem.
Insgesamt soll mehr als eine Billion US-Dollar investiert werden um die brachliegenden Kreditmärkte wieder zum Leben zu erwecken. Als Auffangbecken für faule Wertpapiere soll eine “Bad Bank” gegründet werden, die Mittel hierzu kommen aus staatlichen und privaten Quellen, wie der neue US-Finanzminister Timothy Geithner bei der gestrigen Vorlage seines Finanzstabilisierungsplans angab. Angeschlagene Banken sollen demnach faule Wertpapiere im Umfang von rund 500 Milliarden Dollar abstossen können, aber auch eine Verdoppelung des Finanzrahmens auf bis zu einer Billion US-Dollar ist möglich.
Dem Projekt der “schlechten Bank” werden rund 100 Milliarden Dollar aus dem staatlichen Rettungspaket zugeführt, die Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft und Regierung ist als gewollter Mittelweg zwischen einer reinen staatlichen Lösung und dem schwedischen Lösungsansatz dezentraler “Bad Banks” für einzelne Kreditinstitute anzusehen. Nach wie vor als Hauptproblem gilt die Unsicherheit bezüglich des tatsächlichen Umfangs wertloser Papiere im Besitz der einzelnen Banken, was ein vorzeitiges Ende der Kreditklemme bis jetzt verhindert hat.
Inwieweit die aktuellen Pläne des US-Finanzministeriums ausreichen bleibt abzuwarten, enttäuscht reagierte in jedem Falle die Wallstreet, die gestern einen Einbruch von nahezu 5 Prozent zu verzeichnen hatte. Die meisten Anleger hätten sich wohl ein größeres Engangement zur Bekämpfung der Finanzkrise gewünscht.
Im Zentrum der US-amerikanischen Bemühungen stehen weiterhin Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals der Banken sowie zur Förderung der Kreditvergabe sowohl im Unternehmens- als auch im Privatsektor. Rund 100 Milliarden Dollar plant Geithner jeweils für die Eigenkapitalstärkung und ein Darlehensprogramms der Notenbank Fed (primär für private Immobilienkredite gedacht) ein. Etwa 50 Milliarden Dollar des Pakets sollen helfen Zwangsvollstreckungen im Immobilienbereich abzuwenden.
Das US-amerikanische Rettungspaket sieht als Gegenleistung der Bankenbranche verstärkte Transparenz und weitreichende Pflichten zur Rechenschaftsablegung vor. Des Weiteren wird es zukünftig von Seiten der Regierung klare Vorgaben hinsichtlich Dividendenzahlungen, Aktienrückkaufprogrammen und Übernahmen geben, auch eine verstärkte Bankenaufsicht soll ihren Teil zum Gelingen des Ganzen beitragen.
Noch unklar ist wie sich die Situation in Europa entwickeln wird. Hier stellt sich primär die Frage inwieweit konzertierte Aktionen von Seiten der EU möglich und sinnvoll sind um eine Entlastung des Bankensystems zu ermöglichen. Für Deutschland zeichnet sich indes das schwedische Modell dezentraler “Bad Banks” ab.
Der letzte Satz seit dem US-Finanzminister Geithner, einst Chef der Notenbank von New York gegönnt: “Das Spektakel, dass große Summen des Steuergeldes genau den Instituten gegeben werden, die die Krise mit ihrer begrenzten Transparenz und Aufsicht mitverursacht haben, hat zum öffentlichen Misstrauen beigetragen”. Dem ist an sich nichts hinzuzufügen…
Weblinks zum Thema
bundesregierung.de
de.wikipedia.org
federalreserve.gov